Aufruf zur Mitarbeit bei der wissenschaftlichen Vogelberingung und Steinadlerforschung am Pfitscher Joch
- Eine neue Station im Hochgebirge -
Willkommen am Pfitscher Joch!
Jeden Herbst zieht einer der beeindruckendsten Vogelzüge der Alpen über das Pfitscher Joch. An Spitzentagen passieren schätzungsweise bis zu 50.000 Zugvögel pro Tag den Alpenhauptkamm – ein Naturschauspiel, das nur wenige Menschen aus nächster Nähe erleben können.
Nach drei erfolgreichen Projektsaisonen wird die wissenschaftliche Vogelberingung am Pfitscher Joch ab 2026 als standardisiertes Langzeitmonitoring fortgeführt. Für den Zeitraum vom 16. August bis zum 1. November 2026 suchen wir motivierte Helfer, die unser Forschungsteam unterstützen möchten.
Neben der Vogelberingung werden auch Planzugbeobachtungen, Steinadlermonitoring und Fledermauserfassungen durchgeführt. Dadurch bietet das Projekt einen außergewöhnlichen Einblick in verschiedene Bereiche der Feldornithologie und des Biodiversitätsmonitorings.
Eine ausführliche Beschreibung der Methoden befindet sich an der Forschungsstation. Dieses Dokument informiert über den Ablauf, die Aufgaben, den Aufenthalt sowie die An- und Abreise. Bitte lies es vollständig durch, bevor du dich bewirbst.
Interesse, mit dabei zu sein?
Bitte sende deine Bewerbung an:
Location & Ablauf:
- Das Pfitscher Joch liegt auf 2.251 m Seehöhe am Alpenhauptkamm zwischen Tirol und Südtirol. Die Arbeit findet unter alpinen Bedingungen statt, weshalb gute körperliche Fitness und Trittsicherheit erforderlich sind.
- Je nach Wetterlage können Kälte, Nässe, Wind und Schlafmangel zum Forschungsalltag gehören. Besonders im September und Oktober muss jederzeit mit Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie Schnee gerechnet werden.
- Die Station wird jeweils von einer/einem erfahrenen Beringer:in geleitet. Gemeinsam mit drei bis fünf Helfer:innen bildet ihr ein Team, das den Stationsbetrieb organisiert. Teamarbeit, gegenseitige Unterstützung und gute Kommunikation sind dabei entscheidend.
- Bei geeigneten Wetterbedingungen wird ein möglichst durchgehender 24-Stunden-Betrieb angestrebt. Arbeits- und Ruhezeiten werden im Team flexibel an das Zuggeschehen angepasst.
- Eine Kontrollrunde umfasst rund 700 m und weist kaum Höhenunterschiede auf.
- Während intensiver Zugnächte kann es zu kurzen Schlafphasen kommen. In Zeiten mit geringem Vogelzug besteht in der Regel die Möglichkeit, Ruhezeiten nachzuholen.
- Die Teilnahme dauert mindestens eine Woche. Der Schichtwechsel erfolgt jeweils sonntags um 14 Uhr.
- Änderungen der Einsatzplanung oder kurzfristige Absagen sind aufgrund der Wetterbedingungen jederzeit möglich.
- Die Teams sind teilweise international zusammengesetzt. Je nach Einsatzwoche wird überwiegend Deutsch oder Englisch gesprochen.
- Durch die Aufteilung der Schlafplätze können im Winterraum bis zu sechs Personen untergebracht werden.
- Je nach Projektfortschritt steht zusätzlich ein Forschungsanhänger mit Solaranlage und Toilette zur Verfügung.
- Lebensmittel werden üblicherweise gemeinsam in Sterzing eingekauft. Die Organisation erfolgt innerhalb des Teams.
- Hunde sind während des Aufenthalts nicht erlaubt.
Aufgaben:
Die Forschungsstation konzentriert sich auf vier Schwerpunkte. Je nach Vogelzug, Wetterlage und persönlichen Interessen unterstützt ihr die Stationsleitung in unterschiedlichen Bereichen:
- Wissenschaftliche Vogelberingung
- Planzugbeobachtung
- Steinadlermonitoring
- Fledermauserfassung
Vorkenntnisse sind für die Mitarbeit als Helfer:in nicht zwingend erforderlich. Erfahrung in einem oder mehreren dieser Bereiche ist jedoch von Vorteil und wird bei der Teameinteilung berücksichtigt. Alle Helfer:innen werden vor Ort in ihre Aufgaben eingewiesen.
Wissenschaftliche Vogelberingung:
Ziel ist bei geeigneten Wetterbedingungen ein möglichst durchgehender 24-h-Betrieb. Nur bei ungünstigen Wetterlagen kommt es zu Pausen.
- Der Fang erfolgt mit Japannetzen und Hochnetzen. Es gibt derzeit 13 Standardnetze und 5 Hochnetze mit jeweils 9 m Länge.
- Helfer:innen führen die Netzkontrollen durch, befreien Vögel aus den Netzen, bringen sie zur Station und unterstützen den/die Beringer:in bei der Dateneingabe.
- Runden werden prinzipiell stündlich oder bei widrigen Verhältnissen auch in kürzeren Intervallen zu Fuß durchgeführt. Eine Kontrollrunde ist etwa 700 m lang (mit kaum Höhenmetern).
- Die Tagesabläufe variieren stark, da der Vogelzug je nach aktueller Witterung stark schwanken kann. Während intensiver Zugnächte kann es zu kurzen Schlafphasen kommen. In Zeiten mit geringem Vogelzug lassen sich Ruhezeiten meist nachholen. Absprache untereinander ist wichtig für einen erfolgreichen Betrieb!
- Gefangen werden im August-September hauptsächlich nachts ziehende Schnäpper, Grasmücken, Rotkehlchen u.a. und tagsüber lokale Gebirgsvögel. Im September-Oktober untertags Finken, Pieper, Meisen, Wintergoldhähnchen u.a. und in der Nacht Drosseln, Rotkehlchen.
- Gerne auch spontane und tageweise Unterstützung, besonders an den starken Zugtagen im Oktober! Infos dazu werden in der WhatsApp-Gruppe geteilt (siehe unten). Auch ohne Vorerfahrung. Bitte eigene Anreise organisieren.
Planzugbeobachtung:
Ergänzend zur Vogelberingung wird der sichtbare Vogelzug dokumentiert. Ziel ist eine möglichst vollständige Erfassung des täglichen Zuggeschehens (24 h).
- Die Zählung erfolgt entweder direkt beim Winterraum oder östlich der ‚Linie‘ (46.99583, 11.65900). Dabei werden alle Arten sowie deren möglichst genaue Anzahl erfasst. Zur nächtlichen Erfassung der Zugintensität steht evtl. eine Wärmebildkamera zur Verfügung.
- Idealerweise werden die BPM (Birds per Minute) alle paar Stunden (Tag & Nacht) aufgenommen. Dabei wird an einem Standort mit Fernglas tagsüber oder mit Nachtsichtgerät nachts für eine Minute (nur) die Anzahl aller ziehenden Vögel vermerkt.
- Bei unzureichender Zeit für die gezielte Planzugbeobachtung werden selten festgestellte Arten mit der Anzahl festgehalten.
- Prioritär sind Greifvögel.
- Weitere Artengruppen, insbesondere Insekten, werden bei auffälligem Zugverhalten vermerkt.
Steinadlermonitoring:
Im Rahmen eines langfristigen Monitorings werden die lokalen Steinadler regelmäßig beobachtet und ihr Verhalten dokumentiert. Folgender Ablauf:
- 4x wöchentlich bei sonnigem Wetter; je 2 h pro Tag.
- Abwechselnd vormittags und nachmittags zwischen 9 und 13 Uhr bzw. zwischen 13 und 17 Uhr.
- Mit Fernglas und Spektiv wird gezielt nach Steinadlern gesucht.
- Das Datenblatt wird ausgefüllt (Zeit, Alter, Verhalten, Flugweg, …)
- Störungsfaktoren (Paraglider, Drohnen, Hubschrauber, Wanderer, …) werden ebenfalls erfasst.
Fledermauserfassung:
Da die Fangnetze auch nachts geöffnet sind, werden regelmäßig Fledermäuse gefangen. Diese werden, ebenso wie die Vögel, sicher aus den Netzen befreit, vermessen und dokumentiert.
- Diese werden ebenfalls befreit, zur Station gebracht, vermessen und dokumentiert.
- Eine Tollwutimpfung ist nicht verpflichtend, aber empfehlenswert.
- Fledermäuse dürfen nur mit den bereitliegenden Handschuhen angefasst werden.
- Erfahrung im Umgang mit Fledermäusen ist willkommen, aber keine Voraussetzung. Neue Helfer:innen werden vor Ort angeleitet.
Aufenthalt:
- Die vorhandene Ausstattung ist begrenzt; daher ist die Unterbringung einfach gehalten.
- Die Unterbringung erfolgt im Winterraum des Pfitscher-Joch-Hauses, der bis Anfang Oktober zur alleinigen Nutzung steht. Bis Anfang Oktober hat auch das 300 m entfernte Pfitscher-Joch-Haus geöffnet (Eine Unterkunft dort muss selbst geregelt werden).
- Im Winterraum stehen 2 Stockbetten, davon eines 1,20 m breit. Bei voller Belegung können bis zu sechs Personen gemeinsam im Winterraum untergebracht werden. Übernachten im Freien ist theoretisch möglich, je nach Temperatur, Witterung (alpine Bedingungen!) und Ausrüstung.
- Die Zubereitung einfacher Speisen ist am Holzofen oder am Gaskocher möglich.
- Heizung ist nur mit einem Holzofen möglich; im Oktober kann es kalt werden.
- Trinkwasser ist vorhanden (aber kein fließendes Wasser) und kann beim Pfitscher-Joch-Haus nachgefüllt werden.
- Duschen ist bis Anfang Oktober im Pfitscher-Joch-Haus gegen eine Gebühr von 5€ möglich. Alternativ können Seen (ohne Seife) genutzt werden.
- Im Pfitscher-Joch-Haus können je nach Verfügbarkeit auch Mahlzeiten eingenommen werden.
- Im Winterraum gibt es keinen Stromanschluss. Bis Anfang Oktober ist es möglich, Geräte im Pfitscher-Joch-Haus aufzuladen. Generell bitte genügend Powerbanks mitbringen!
- Die Toiletten des Pfitscher-Joch-Hauses können bis Anfang Oktober genutzt werden. Andere Möglichkeiten werden im Laufe der Feldarbeit kommuniziert.
- Die Beringung erfolgt ggf. getrennt vom Winterraum im eigenen Forschungsanhänger.
- Evtl. steht eine Solaranlage bereit. Dies wird im Vorfeld kommuniziert.
Anreise:
Von Südtirol über das Pfitscher Tal:
- zu Fuß ca. 450 hm bzw. 1,5 h vom Parkplatz
- (46°59'13.3"N 11°38'45.7"E)
Von Nordtirol über das Zillertal:
- zu Fuß ca. 450 hm bzw. 2 h vom Parkplatz
- (47°01'47.3"N 11°41'44.7"E)
Öffentliche Anreise:
bis zum Schlegeisspeicher (nur während der Wandersaison) möglich und anschließend zu Fuß; oder im Pfitscher-Tal bis zur Haltestelle Angerhöfe. Personentransport von dort nach Absprache evtl. möglich.
Was mitgebracht werden muss:
- Warmer Schlafsack, Iso-/Unterlagsmatte (dünne sind bereits vorhanden)
- Stirnlampe (zusätzlicher Akku, Batterien)
- Powerbanks (ggf. kein Stromanschluss)
- Verpflegung (der Einkauf kann zu Beginn gemeinsam in Sterzing erfolgen und wird teamintern besprochen)
- Gutes Schuhwerk (evtl. Gummistiefel) und wetterfeste Kleidung (z.B.: Regenhose, etc.) und Wechselkleidung
- Utensilien des täglichen Gebrauchs: Handtuch etc.
- Fernglas
- Je nach Jahreszeit: Sonnenschutz, Regenschutz, Handschuhe, Haube, evtl. Skihose, evtl. Badesachen, Thermosflasche.
